Mercedes-Benz

Mit Leidenschaft für den Reitsport.

14. Oktober 2019

Näher dran ist keiner. Okay, fast keiner – mal abgesehen von den Sportlern selbst. In seiner Rolle als Start-, Ziel- und Hindernisrichter erlebt Dieter Herff den CHIO hautnah mit. Und das schon seit über 40 Jahren. Im Interview spricht er über diese wichtige Aufgabe, seine Leidenschaft für den Reitsport und Anekdoten rund um das Highlight der Reiterszene.

Kein Fehler bleibt unentdeckt, wenn Dieter Herff mit von der Partie ist. Seit über 40 Jahren unterstützen er und seine Reitsport-Kollegen den Schiedsspruch beim Reiten an der „Außenlinie“ – wie ein Linienrichter beim Fußball. Eine unverzichtbare Aufgabe beim Weltfest des Pferdesports, dem CHIO Aachen. Denn der heute 70-jährige „Pferde-Schiri“ ist immer mittendrin, verfolgt die Profireiter aus direkter Nähe. Für den Geschäftsführer eines Immobilienunternehmens könnte es kein schöneres Hobby geben: Denn nur so erhält er jedes Mal aufs Neue die exklusive Chance, den Spitzensport hautnah mitzuerleben.

Wie sieht denn Ihre Aufgabe am Tag des Turniers aus?

Bevor das Turnier in Aachen beginnt, teilt ein Kollege von mir jedem Hindernis einen Richter zu. Danach positionieren meine Kollegen und ich uns etwa acht Meter entfernt von Wassergraben, Schranke oder Stange. Wenn der Reiter die Hürde passiert, achten wir auf Springfehler, die wir den Turmrichtern des CHIO Aachen mithilfe einer Flagge oder Kelle aufzeige. Das ist wichtig, weil sie Patzer an verwinkelten Hindernissen oder Wassergräben von ihrer Position aus nur schlecht erkennen.

Experte auf seinem Gebiet: Dieter Herff ist seit über 40 Jahren als Start-, Ziel- und Hindernisrichter beim CHIO Aachen tätig.

Was fordert Sie dabei jedes Mal aufs Neue heraus?

Das Wetter! Wenn es stark regnet oder die Sonne blendet, erschwert das natürlich die Sicht auf das Reiten. Auch in solchen Situationen muss ich die turniersportlichen Regelkenntnisse befolgen und Abstand zum Hindernis halten. Aber selbst dann habe ich mein Ziel immer fest im Blick und erkenne jeden noch so kleinen Fehler des Profireiters …

Wie viele Pferde passieren ein Hindernis pro Turnier?

In der Regel sind es 20 bis 50. So kann das Turnier in Aachen schon mal bis zu zwei Stunden dauern, aber es macht wirklich Spaß, mitten im Geschehen zu sein und die Reiter aus einer Perspektive zu beobachten, die nur den Start-, Ziel- und Hindernisrichtern vorbehalten ist. Die freie Zeit zwischendurch nutze ich, um entspannt das Reiten zu verfolgen.

„Früher bin ich hobbymäßig geritten, heute bewerte ich lieber die jungen Reiter.“

Dieter Herff

Wann haben Sie denn Ihre Leidenschaft für dieses besondere Hobby beim CHIO Aachen entdeckt?

Oh, das liegt schon Jahrzehnte zurück. Früher bin ich hobbymäßig geritten, heute bewerte ich lieber die jungen Reiter in Aachen. Aber die Leidenschaft für das Reiten ist mir schon in die Wiege gelegt worden. Mein Vater war ein richtiger Pferdenarr und einer der elf Gründungsmitglieder einer Gemeinschaft, die sich dem Schiedsrichterwesen im Aachener Reitsport verschrieben hat. Es ist bemerkenswert, mit welchem Herzblut die jungen Leute an den CHIO-Wettkämpfen in Aachen teilnehmen.

Verraten Sie uns eine lustige Anekdote, an die Sie sich Ihr Leben lang erinnern werden?

Ja, da gibt’s so einige. Gerne erinnere ich mich an zwei Reitplatz-Richter, die von einer weißen Bank aus das Turnier verfolgten. Das Problem: die Sitzmöglichkeit stand neben einem Wassergraben und sackte plötzlich im weichen Boden ab. Meine Kollegen sind fast in Slow Motion in den Graben gekippt. Das Stadion des CHIO Aachens hat gebebt vor Lachen.

Was unterscheidet die Sporterlebnisse beim CHIO Aachen von anderen Reitturnieren?

Es ist ein internationales Spitzensport-Turnier von Weltgröße, bei dem alle sportlichen Disziplinen im Reitsport direkt in Aachen angeboten werden: Sprung, Dressur, Eventing, Voltigieren und Kutschenfahren. Abgesehen davon gibt es ein großartiges Showprogramm mit Livemusik, einem Tag der offenen Tür im CHIO Village und andere Attraktionen. Eine große Abschlussfeier rundet das Erlebnis in Aachen ab.

Der Pferdeschwanz

GründungElf Pferdenarren haben am 10.07.1961 die Vereinigung „Der Pferdeschwanz“ der ehrenamtlichen Reitplatzrichter in Aachen ins Leben gerufen.
MitgliederParcours-Bauer, Pferdezüchter, Karnevalsreiter und andere Pferdefreunde treffen sich einmal im Monat in Aachen, um über den Reitsport und das CHIO Aachen zu fachsimpeln. Insgesamt zählt die Gemeinschaft 25 aktive Mitgliederim Alter zwischen 34 und 86 Jahren.
OrdenDer Pferdeschwanz verleiht ausgewählten Personen aus dem Reitsport das Stammtischabzeichen am schwarz-gelben Bande. So trägt die freiwillige Gemeinschaft aus Aachen auch dazu bei, die Freundschaft zwischen den Nationen zu pflegen und aufrechtzuerhalten.

CHIO Aachen

Albert-Servais-Allee 50
52070 Aachen

Fotos: © Jörn Wolter